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Segelyacht Tongji
© Rainer Ocker

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Segeln nach Gazipasa (Türkei)

Wie schon gewohnt segeln wir früh am Morgen, bei ablandigem Wind mit 4-5 Knoten in Alanya los. Eine lange Dünung von 1,5 m aus den vergangenen Tagen kommt uns entgegen. Am Vormittag dann kaum noch Wind, aber wir haben noch immer 2,5 Knoten über Grund. Später gar Windstille und es stehen noch immer 1,5 Knoten auf dem GPS. Nur können wir nicht mehr steuern. Der Diesel muss helfen.
Über die diesmal eigenartigerweise mitlaufende Strömung wundern wir uns zwar, denn bisher ging es immer gegen die Strömung, doch freut uns dies natürlich zunächst. Leider wurde die uns entgegen kommende Dünung durch die entgegensetzende Strömung auch steiler und unangenehm. Fünf Seemeilen vor Gazipasa kam dann auch noch plötzlich heftigster Gegenwind. Natürlich stand der in keinem Wetterbericht, nur uns wundert im Golf von
Antalya gar nichts mehr. Aus 1,5 Meter entgegenkommender Dünung wurden mit dem gleichgerichteten Wind und der mit 1,5 Knoten entgegensetzenden Strömung 2,5 bis 3 Meter extrem steile Wellen. Mit Motor war dort kaum was auszurichten. Segel rauf, nur trotz mitlaufender Strömung jede steile Welle schob uns geradewegs zurück und drückte den Bug fast schon unkontrollierbar weg. Teils kamen uns die Wellen schon wie senkrechte Wände vor und einige krachten nur so übers Boot. Da standen wir nun kurz vor dem Hafen Gazipasa und konnten die Reststrecke kaum noch bewältigen. Doch jetzt umdrehen und mit den Wellen gegen die Strömung? War es überhaupt noch möglich die Hafeneinfahrt Gazipasa bei diesen Bedingungen zu meistern? Diese liegt ziemlich an der offenen Küste und es ist laut Seekarte eher nicht zu erwarten das dort weniger Wind und Strömung steht. Sollten wir mit den Wellen ablaufen? Sollten wir es dichter unter Land versuchen und hoffen das dort weniger Strömung steht? Doch wie dicht mußten wir dazu ans Ufer und wird dies dann nicht auch sehr gefährlich? Wir kreuzten Richtung Land, was ich bei steiler See noch nie getan hatte und tatsächlich die Strömung wurde in einem noch sehr sicheren Abstand zum Land erheblich geringer. Die Wellenhöhe wurde sofort geringer und vor allem waren es aufgrund der jetzt fehlenden Gegenströmung keine senkrechten Wände mehr. Vor der Hafeneinfahrt in Gazipasa sahen wir bereits ruhiges Wasser und so machte uns diese Einfahrt keine Probleme. (Hafen liegt doch etwas Windgeschützt hinter einem Fels).
So etwas hatten wir noch nicht erlebt! Im letzten Jahr in Nordnorwegen bei Ebbe und Flut konnte man mit der Uhr die Strömung genauestens vorhersagen und Wetterlagen Wind gegen Strömung vermeiden. Hier hingegen ohne Ebbe und Flut kehrte sich die gewohnte Strömung plötzlich um. Es reichten nur 1,5 Knoten Strömung gegen eine alte 1,5m Dünung und gegen den Wetterbericht einsetzenden starken Wind, um 2,5 bis 3 Meter hohe Wasserwände zu erzeugen. Sicher spielten auch die sehr unterschiedlichen Wassertiefen eine Rolle. Von 2000 und 1000 Metern geht es in einem Sprung auf 50 Meter! Wellen konnte man dies größtenteils nicht mehr nennen, denn diese haben eine Sinusform. Nicht die Höhe war das Problem, da hatten wir schon weit höhere Wellen, aber eben die Steilheit.
Da der Hafen von Gazipasa noch nicht fertiggestellt ist und noch keine Stege vorhanden sind ankerten wir einfach mittig. Als erstes begutachtete ich den Deckssalon. Sicher wird alles diesen Wetterbedingungen standhalten, doch bei so senkrechten Wasserwänden und demzufolge überkommendem Wasser kontrollierte ich jedes Holz und Fenster auf Risse, sowie Fenstergummi und Aluleisten auf festen Sitz.
Im Hafen fragte ich dann die Fischer und deren Antwort war das die normale Strömung nach W bzw. SW setzt, sich diese aber auch schnell umdreht und dann bei gegenläufigem Wind ordentlich steile See aufbaut. Der eine meinte x der andere y Abstand zur Küste lassen. Es gäbe gar Windrichtungen da spritzt das Wasser nicht, sondern spült über die 6 m hohe Mole des Hafens.
In der Nacht ist dann ein 10m Fischerboot gesunken. Es war mit Mooring Richtung Ufer festgemacht und wurde durch Schwell über Nacht auf einen Stein gestoßen. Ergebnis war ein Loch und es ist gesunken. Am kommenden Tag holte ein Kran es langsam an Land.

In Gazipasa wurden wir leider krank. Wohl ein Virus den wir vom Kurztrip nach Deutschland mitbrachten? Auf jeden Fall lagen wir erstmal fest und bekamen täglich Besuch von Ali, welcher nach unserer Gesundheit fragte. Am liebsten hätte uns Ali ins Krankenhaus gebracht und haufenweise Medikamente besorgt. Nur unsere Bordapotheke quillt auch schon über. Einkaufen wollte er für uns, .... Ali lebt auf seinem 8m Fischkutter. Auf dem Kutter ist eine kleine Bretterbude mit LKW-Plane abgedeckt. Seinen bescheidenen Fischfang (es gibt kaum noch Fisch) holt ein Händler ab und verkauft ihn in der Stadt. Uns schenkte Ali den Fisch.

Und noch mal das Segelwetter in der Südtürkei: (im Winter)
- der Wetterbericht stimmt an der Küste eigentlich nie (würfeln ist ebenso zuverlässig)
- Wellenvorhersagen sind in der Höhe oft zu verdoppeln - dazu Dünung von sonst woher - kaum erklärbar
- Windrichtungen ändern sich laufend (durch hohe Berge)
- Strömungen an der Südküste sind die Regel (nach W) und drehen sich plötzlich um? - große Strudel mit gegenläufigen Strömungen
- Wind fällt plötzlich vom Hochland und entwickelt Sturmstärke (auch anhaltend)
- wenn mal nichts passiert hatten wir Nachts und Morgens Landwind

Segeln nach Gazipasa
Noch ist alles schön friedlich. Bei ablandigem Wind segeln wir nach Gazipasa.

Hafen Gazipasa
Am kommenden Tag im Hafen von Gazipasa. Es ist wieder alles ganz friedlich. Neben ein paar Fischern und Anglern ist hier kein weiteres Boot.

Gazipasa - Aquädukt
Gazipasa - vom Hafen in den Ort sind es ein paar Kilometer.
Der Aquädukt gehört zur Wasserversorgung der antiken Stadt Selinus.

Gazipasa
Gazipasa - viele Neubau-Ruinen und Gewächshäuser fallen uns auf.

Gazipasa
Gazipasa

Gazipasa
Stadtplatz in Gazipasa

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